Auftakt für gemeinschaftliches Wohnen im Werra-Meißner-Kreis

Über 75 Menschen kamen am 3. September zur Auftaktveranstaltung von NeNo WMK in den Rathaussaal – und machten deutlich: Das Interesse an neuen, gemeinschaftlichen Wohnformen in der Region ist groß.

Der Rathaussaal war proppevoll, als am 3. September um 17 Uhr die Auftaktveranstaltung von NeNo WMK – Netzwerk Nordhessen für gemeinschaftliches Wohnen begann. Über 75 Menschen waren der Einladung gefolgt – Menschen, die bereits in Wohnprojekten aktiv sind, konkrete Ideen haben oder einfach neugierig darauf waren, wie gemeinschaftliches Wohnen im Werra-Meißner-Kreis aussehen kann.

Nach der Begrüßung durch Rainer Kuhlenberg und Robin Dirks und einem Grußwort von Bürgermeister Lukas Sittel gab Lisa Kietzke eine Einführung in den neu gegründeten Verein und in das Thema gemeinschaftliches Wohnen.

Dabei nahm sie das Publikum mit auf eine kleine Reise durch unsere ganz persönlichen Wohnwünsche. Mit Kurt Tucholskys Gedicht „Ja, das möchste“ zeigte sie humorvoll, wie lang die Wunschliste für das eigene Traumhaus werden kann: Villa im Grünen, Terrasse, Dachgarten – und natürlich dürfen auch die Eichen auf dem Dach nicht fehlen.

Was bei einem einzelnen Traumhaus schon ziemlich anspruchsvoll klingt, wird beim gemeinschaftlichen Wohnen noch einmal interessanter: Hier treffen die Wünsche vieler Menschen aufeinander. Was für die eine Person unverzichtbar ist, braucht der andere vielleicht überhaupt nicht. Und so wird es das eine, für alle perfekte Wohnprojekt vermutlich niemals geben. Gemeinschaftliches Wohnen bedeutet vielmehr, unterschiedliche Bedürfnisse miteinander auszuhandeln und gemeinsam eine Wohnform zu entwickeln, die für möglichst viele gut funktioniert.

Architektur schafft Begegnung

Einen ganz anderen, aber ebenso wichtigen Blickwinkel brachte anschließend der Architekt Christoph Harney ein. Mit anschaulichen Geschichten und spannenden Anekdoten aus seiner Arbeit mit Wohnprojekten zeigte er, wie unterschiedlich gemeinschaftliches Wohnen gestaltet werden kann.

Besonders eindrücklich war seine Geschichte aus der Kommune Niederkaufungen: Weil ein bestehendes Dach nicht besonders flächeneffizient war, wurde es kurzerhand eine Etage nach oben gehoben – und darunter eine weitere Etage geschaffen.

Solche Beispiele machten deutlich: Gemeinschaftliches Wohnen kann sehr unterschiedliche Formen annehmen. Entscheidend ist dabei nicht nur, wie gebaut wird, sondern auch, wo Begegnung stattfindet. Gemeinschaft entsteht nicht automatisch dadurch, dass Menschen unter einem Dach leben. Räume, Wege und Übergänge können so gestaltet werden, dass Begegnung möglich und gewollt ist.

Gemeinschaftliches Wohnen gibt es schon!

Ursprünglich war anschließend ein interaktiver Teil geplant. Doch angesichts des voll besetzten Saals wurde der Ablauf kurzerhand angepasst. Zunächst stellten sich die Wohnprojekte Fuchsmühle Waldkappel, Mensch*Meierei, WohnWitz/ Alte Post sowie das Tiny-House-Projekt aus Roßbach vor.

Die unterschiedlichen Projekte zeigten eindrucksvoll, wie vielfältig gemeinschaftliches Wohnen bereits heute im Werra-Meißner-Kreis gedacht und gelebt wird. Von gemeinschaftlich organisierten Höfen und Häusern über Mehrgenerationenprojekte bis hin zu neuen Ideen für Tiny-House-Siedlungen gibt es ganz unterschiedliche Ansätze und Bedürfnisse.

Damit wurde auch eines besonders deutlich: Wir fangen nicht bei null an. Im Werra-Meißner-Kreis gibt es bereits viel Erfahrung, engagierte Menschen und konkrete Projekte, an die ein Netzwerk wie NeNo WMK anknüpfen kann.

Wie viel Gemeinschaft darf es sein?

Zum Abschluss wurde es dann noch einmal interaktiv – und ein bisschen chaotisch. Bei einer soziometrischen Aufstellung konnten sich die Teilnehmer*innen im Raum entsprechend ihrer Vorstellungen positionieren: Wie viel möchte ich eigentlich mit anderen teilen?

Auf der einen Seite stand der Wunsch nach möglichst viel Privatheit – am liebsten mit eigener Wohnung, eigenem Auto, eigener Waschmaschine; auf der anderen Seite fanden sich diejenigen wieder, die sich vorstellen können, nahezu alles miteinander zu teilen. Dazwischen entstand ein buntes Bild unterschiedlichster Bedürfnisse und Vorstellungen. Und genau diese Vielfalt ist es, mit der NeNo WMK in Zukunft arbeiten möchte und die auch an diesem Abend deutlich vertreten war.

Bei Getränken und kleinen Snacks klang der Abend anschließend gemütlich aus. Viele der Teilnehmer*innen blieben noch im Rathaussaal, kamen miteinander ins Gespräch und tauschten sich über eigene Ideen, Erfahrungen und Wohnwünsche aus.

Für uns war der Abend ein sehr gelungener Auftakt. Die große Resonanz hat gezeigt, dass das Thema gemeinschaftliches Wohnen im Werra-Meißner-Kreis viele Menschen bewegt – und dass es Lust darauf gibt, gemeinsam weiterzudenken.

Wir freuen uns deshalb sehr auf das erste Vereinstreffen von NeNo WMK am 24. September um 17 Uhr im Generationentreff in Witzenhausen. Dort wollen wir gemeinsam schauen, wie es weitergeht, welche Themen und Projekte die Menschen im Netzwerk beschäftigen und möglicherweiser Arbeitsgruppen gründen.

Wir sehen uns!

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Im Laufe des Jahres 2025 möchten wir den Verein NeNo – Netzwerk Nordhessen für gemeinschaftliches Wohnen e.V. weiter ausbauen. 

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